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Nachruf

Jean Anderegg Geboren am
24. Oktober 1935
Gestorben am
22. Oktober 03

Anlässlich der Beerdigung von Jean Anderegg sprach unser Vizepräsident Eduard Zwahlen in der Kirche von Neuburg:

„Im Namen des Vorstandes und der Vereinsmitglieder des Schiffervereins Basel-Kleinhüningen spreche ich Ihnen, liebe Angehörige, unser tiefstes Beileid aus.
Jean Anderegg, “unser Beck“, ist zu seiner letzten Fahrt aufgebrochen.
Jean war seit 1976 ein treues Mitglied unseres Vereins und uns ein guter Freund. Wir werden Jean in guter Erinnerung behalten.
Salü Beck, bon voyage

Ich zitiere nun Jean Anderegg wörtlich aus einem Schreiben, das er mir anlässlich unseres Besuches in Neuburg am 30. August 2003 übergab.“

Mein Lebenslauf
Ich bin am 24. Oktober 1935 in Herisau im Kanton Appenzell geboren, als Sohn eines Bäckers, was mir den Beinamen “Beck“ mit auf meinen Lebensweg gab. In Herisau besuchte ich auch die Schule von 1942 bis 1950. Im Spätsommer 1950 begann ich meine Lehre bei der Schweizerischen Reederei AG auf der „Leventina“. Nach dem Schulschiff war mein erstes Schiff das Schleppboot „Schwyz“ unter Kapitän Willi Kauder, Steuermann Sepp Rossi, und Rudergänger Roland Michel. Es folgten TS „Forcellina“, Schlepper „Zürich“ und „Uri“. Danach war ich lange Jahre auf TS „Marignano“ mit Georg Burlon als Schiffsführer. Er ist heute noch einer meiner besten Freunde. Es folgten MTS „Valeriana“ bei Hans Krebser, bei dem ich sehr viel lernen konnte.
1959 heiratete ich meine liebe Frau Hilde aus Neuburg, das dann auch meine zweite Heimat wurde. Nach der Heirat fuhr ich noch einige Zeit bei Koni Locher auf dem MS „Valcava“. Ende 1959 beschloss ich, an Land zu arbeiten und kündigte. Ich arbeitete bis im Sommer 1960 bei den Deutschen Linoleum Werken. Nach kurzer Zeit hatte ich genug von der Landarbeit und es zog mich wieder auf den Rhein. Vom Sommer 1960 bis 1961 fuhr ich dann auf MS „Brienzersee“ bei Kapitän Engelhardt, dem Onkel meiner Frau. Ab Frühjahr 1961 bis Frühjahr 1964 fuhr ich als Schiffsführer- Ablöser auf fast allen Schiffen der Reederei Zürich.
Am 18. November 1962 kam mein einziger Sohn auf die Welt, der nach alter Tradition natürlich auch auf den Namen Jean getauft wurde.
Vom Frühjahr 1964 bis Herbst 1970 war ich fest angestellter Schiffsführer und fuhr auf MS „Bielersee“. Im Herbst 1970 holte ich MTS „Walensee neu von der Meidericher Schiffswerft, dies war damals eines der modernsten Schiffe auf dem Rhein, es war mit Bugstrahl und halbautomatischem Pilot (ohne Haspel) ausgerüstet. 1974 hatte ich das Pech, kurz hintereinander zwei Havarien zu haben und wurde auf MTS „Murtensee“ versetzt. Ein Jahr später stellte sich zwar heraus, dass ich an der grossen Havarie unschuldig war. Aber ich war schon degradiert. Im Nachhinein war es aber gut so, denn, MTS „Murtensee“ fuhr damals nur zwischen Strassburg und Weil - somit hatte ich jedes Wochenende frei und konnte meinen Sohn Jean an Bord holen.
Auf MTS „Murtensee“ fuhr ich als Schiffsführer, bis es 1987 verkauft wurde. Am 1. März 1986 wurde die Reederei Zürich der Schweizerischen Reederei und Neptun AG angeschlossen. Somit war ich also wieder bei derselben Firma, bei der ich als Schiffsjunge angefangen hatte. Von 1987 bis 1991 fuhr ich wieder als Ablöser auf MTS „Vierwaldstättersee und MTS „Zugersee“. Von 1991 bis 1993 übernahm ich fest MTS „Bodensee“. Am 1. April 1993 ging ich dann in Frühpension.

Im August 1990 heiratete mein Sohn Jean seine Frau Silvia geb. Hüll. Aus der Ehe sind inzwischen zwei Kinder hervorgegangen, Lena geb. am13. August 1995 und Laura geb. am 3. März 2000. Am 17. Juni 1995 verlor ich meine liebe Ehefrau Hilde. Ein Jahr später hatte ich das Glück, nochmals eine liebe Lebensgefährtin zu finden, die Hannelore. Leider werde ich dieses Glück wegen meiner Krankheit nicht mehr lange teilen können. Trotz allem hatte ich ein gutes und zufriedenes Leben.
Neuburg, den 27. Juni 2003

Jean Anderegg