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Nachruf

Enrico Gimpert Geboren am
15. September 1935
gestorben am
21. Juni 2003

Enrico Gimpert wurde als Sohn von Enrico (Heinrich) und Martha geb. Ruoff
am 15. September 1935 in Mailand geboren, wo sein Vater als Bankier tätig war. Kurz vor Kriegsausbruch kehrte die junge Familie aus dem faschistischen Italien in die Heimat nach Küsnacht ZH zurück.
Nach einer nicht einfachen Kindheit, aber umso erfolgreicheren Schulzeit musterte der junge Enrico mit 16 Jahren in der Schifffahrtsschule in Basel an. Die Schifffahrt übte schon damals einen besonderen Reiz auf ihn aus. Es lockten die Eigenständigkeit und der anspruchsvolle und interessante Beruf des Schiffers.
Am 8. Januar 1952 begann Enrico Gimpert seine Laufbahn als Schiffer im „Leventina“-Kurs 24. Nach erfolgreichem Abschluss der Matrosenlehre wurde er auf verschiedenen Tankschiffen der Schweizerischen Reederei AG eingesetzt. Schon sechs Jahre später bestand er die Prüfung für Schiffsführeranwärter und erlangte 1958 das Rheinschifferpatent. Sein erstes Schiff war das TSK „Carmenna“. Das grösste Ziel für den ehrgeizigen Enrico war jedoch, möglichst schnell ein Motortankschiff als Schiffsführer zu fahren. Am 1. Mai 1960 ging sein Wunsch in Erfüllung. Ab diesem Zeitpunkt war er stolzer Schiffsführer der MTS „Veronica“. Dieses Schiff mit einer ganz eigenen Seele, wie er mir immer sagte, begleitete seinen beruflichen Fortgang bis ins Jahr 1983. Weiter übernahm er später für einige Jahre das Schwesterschiff MTS „Potentilla“ und den “Stein-Tanker“ MTS „Almandin“. Die Tankschifffahrt war für ihn stets etwas Besonderes und eine enorme Herausforderung. Enrico Gimpert war Schiffsführer nicht nur von Beruf, sondern aus totaler Überzeugung.
Doch die Schifffahrt war nur eine der drei wichtigsten Säulen im Leben meines Vaters. Sein Engagement für seine Berufskollegen in verschiedenen Delegationen und dem VHTL, sowie der Kampf für den Erhalt der Schweizerischen Rheinschifffahrt waren aussergewöhnlich.
Um auf so hohem Niveau agieren zu können, hat er unzählige Stunden gelesen, geschrieben und sich weitergebildet. Dies alles neben den “normalen“ Arbeitszeiten eines Tankschiff-Kapitäns.
Dank seiner starken Persönlichkeit und seines Fleisses hat er nicht nur seinen Standpunkt erklärt und durchgesetzt, sondern viele Mitstreiter durch sein grosses Fach- und Allgemeinwissen überzeugt.
Bis zuletzt hat er zudem mit grosser Freude unzählige Fach- und politische Zeitungsartikel geschrieben.
Es wäre wahrscheinlich ein sehr mühevolles Unterfangen, die vielen Seiten zu zählen, oder gar die lange Zeit zu berechnen, die mein Vater in seinem 40-jährigen Berufsleben und in den zehn Jahren als Pensionär damit verbracht hat, sich als Autor in der Fach- und Tagespresse festzusetzen.
“Woher nahm dieser Mann nur die Kraft?“ Natürlich gab es neben dem beruflichen Wirken des Kapitäns Enrico Gimpert den Familienmensch, Ehemann, Vater und Grossvater Enrico. Es ist in der heutigen Zeit wohl gar nicht mehr nachvollziehbar, was es heisst, seinem Partner die Treue zu halten, stets ihm auch bei schwierigen Bedingungen, wie sie nun mal auf der Tankschifffahrt herrschen, beizustehen. Die starke, aufrichtige Liebe seiner Frau bzw. meiner Mutter war der Kern seines Daseins überhaupt. Sie gab ihm Kraft und oft auch den notwendigen Trost. Wie dankbar er ihr dafür war, hat er ihr während 47 Ehejahren ständig gezeigt und sie spüren lassen. Vor allem aber nach seiner Pensionierung 1992 konnte er viele gemeinsame Träume verwirklichen. Der absolute Mittelpunkt war von da an nur noch seine liebe Anna. Gemeinsam wurden schöne Urlaubsreisen unternommen und das Leben zwischen Küsnacht und Längenbühl unbelastet genossen. Grosse Freude bereiteten meinem Vater auch seine Enkelkinder. Er engagierte sich sehr stark für sie und verbrachte, trotz einiger Stunden Anfahrtsweg, viele schöne Stunden mit ihnen. Besonderen Spass bereitete ihm, dass er sein Hobby Fischen mit seinem Enkel Adrian teilen konnte.
Ein plötzlicher Hirnschlag am 21. Juni 2003 hat leider dem erfahrenen Kapitän viel zu früh das Lebenssteuer aus der Hand gerissen.
Er wird uns allen sehr fehlen.

Enrico Gimpert Junior

Rico ist seit der Gründung Mitglied im Schifferverein. Seit seiner Pensionierung hat er regelmässig mit seiner Frau Anna an unserer jährlichen Generalversammlung teilgenommen und so den Kontakt zu seinen Schifferkameraden aufrechterhalten. Im Namen der Vereinskameraden spreche ich der Familie unser herzliches Beileid aus. Rico hinterlässt eine Lücke, die sich nicht mehr schliessen lässt. Wir werden unseren Verstorbenen in guter Erinnerung behalten.

In Gottes Namen, gute Fahrt

A. Fritz